Keine Angst vor dem Börsencrash

Vor 90 Jahren begann an der Wall Street die Weltwirtschaftskrise. Deshalb wird trotz der Rekordstände am Aktienmarkt über einen möglichen Börsencrash diskutiert. Das mag Lesern ein angenehmes Gruseln bereiten, als Anleger sollten sie besser die Füße stillhalten

von Stefan Schaaf - 29. Oktober 2019

Die Deutschen haben eine Leidenschaft für "den Crash", jedenfalls als Buchkäufer. Findet sich ein Wirtschaftsbuch in der Bestsellerliste, so geht es meist und das schon seit mehr als einem Jahrzehnt um einen bevorstehenden Zusammenbruch - nicht nur des Aktienmarktes, denn früher hieß der Börsencrash ja mal Börsenkrach und das Leben ging danach weiter. Heutzutage macht es kaum ein Buchautor ohne den kompletten Zusammenbruch von Finanzsystem, Gesellschaft und Staat. Titel wie "Der finale Kollaps" verkaufen sich, vielleicht weil sie wie ein guter Krimi sind: Sie verbreiten ein angenehmes Gruseln, auch wenn sie wenig mit der Realität zu tun haben.

Denn es ist durchaus riskant, sein Geld auf die Empfehlungen der Crash-Propheten hin zu verwetten. Nicht selten liegen sie grundfalsch mit ihren Prognosen, verdienen aber hartes Geld mit Büchern, gebührenpflichtigen Newslettern oder Auftritten. Selbst diejenigen, die eine Krise zutreffend prognostizieren, sind meist One-Hit-Wonder, man könnte auch von Zufallstreffer sprechen. Eines der berühmtesten Beispiele aus jüngerer Zeit dürfte der Hedgefonds-Manager John Paulson sein, der die Subprime-Krise kommen sah und seine Investoren damit reich machte. Einige Jahre späten verlor er das Geld wieder bei Gold-Spekulationen.

Mit ihrer Vorliebe für das Crash-Gruseln sind die Deutschen also nicht alleine. In den USA hat dieser Tage ebenfalls eine öffentliche Diskussion darüber eingesetzt, ob der Aktienmarkt nun nicht irgendwann einmal richtig einbrechen müsste. Es sind weniger die Sorgen vor einer Überhitzung angesichts von Rekordstände des Leitindexes S&P 500 oberhalb von 3000 Punkten oder der anhaltenden Rally von Tech-Schwergewichten wie Apple und Microsoft. Auslöser der Diskussion sind nicht Aktien-Bewertungen, Fundamentaldaten oder politische Ängste, sondern ein Blick auf das Kalenderblatt.

Wird sich 1929 wiederholen?

Vor 90 Jahren, am 29. Oktober 1929, ging der am berühmten "Schwarzen Freitag" (jedenfalls nach europäischer Zeit, in den USA war es ein Donnerstag) begonnene ...

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Binder Manfred, MLS

allgemein beeideter und gerichtlich zertifizierter Sachverständiger